Es ist soweit: der Sommer kommt näher, es wird warm und wärmer. Ich mag den Sommer – wer tut das nicht -, aber es gibt eine Temperaturzone, ab der ich nur noch in die Hängematte will und es suchen mich zwanghaft Fantasien heim, die um fruchtig-kühle Papierschirmchen-Longdrinks und lasziv-träge Bikinigirls kreisen. Von konzentrierter Arbeit am Bildschirm kann spätestens jenseits hochsommerlicher 27° Grad jedenfalls bei mir kaum noch die Rede sein.
Diese tragische Korrelation von Temperatur und Leistungsfähigkeit ist der arbeitswissenchaftlichen Forschung bekannt, es gibt hierzu Empfehlungen und Richtwerte. Bedauerlicherweise beschert uns die Natur in unseren Breitengraden an lediglich 30- 40 Tagen ein Klima, das wir in Bezug auf die Behaglichkeit als leistungsfördernd empfinden. an den anderen 330 Tagen wird das Büro mit nennenswertem technischem und finanziellen Aufwand geheizt oder gekühlt. Der Versuch der Einhaltung der als optimal angesehenen klimatischen Rahmenbedingungung (Luftemperatur 20-22 Grad Celsius, Luftbewegung 0,1m/sek. -0,15 m/sek, Luftfeuchtigkeit: maximal 50%) beschäftigt Architekten, Büroplaner, Facility-Manager, Klimatechniker, Hausmeister und uns normale Büromenschen.
Gutes Raumklima fängt mit der Architektur an: der seit geraumer Zeit hippe Mix aus hauptsächlich viel Glas und möglichst wenig Stahl und Beton mag cool aussehen, die notwendige energiefressende Klimatisierung dieser hochkant stehenden Treibhäuser verschlingt jeden Sommer halbe Staatshaushalte und gibt nebenbei dem Klimawandel ordentlich Zunder. Uncool. Unintelligent. Darüber können auch ein paar hochmoderne architektonische Vorzeigeprojekte mit “intelligenteren” Kühlsystemen nicht hinwegtäuschen. Immerhin lässt sich feststellen: Unter dem Eindruck einer drohenden Klimakatastrophe – und/oder der Energiepreise? – wächst das Problembewusstsein.
Untersuchungen des Dänen Bjarne W. Olesen zeigen, dass schon Temperaturen größer 26 Grad Celsius an mehr als zehn Prozent der Arbeitszeit zu erheblichen Mehrkosten durch Produktivitätsverlust führen. Nach Schätzungen wird mit zusätzlichen Personalkosten von bis zu 1.300 Euro je Mitarbeiter und Jahr gerechnet. Das leppert sich…
Und dann gibt es – was die Klimatisierung von Büroräumen angeht – häufig noch eine bemerkenswerte Wissenslücke bei Büroplanern und -betreibern: das Zusammenspiel von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Es gibt jede Menge aufwändige Kühl- und Heiztechnik, vergleichbare technische Lösungen zur Steuerung der Luftfeuchtigkeit sind kaum vorhanden und irgendwie nicht “auf dem Schirm” der Verantwortlichen. Dabei zeigen Untersuchungen, dass hier ein enormes Potential zur kostenrelevanten Verbesserung des Büroraumklimas schlummert: Wenn im Winter die Zentralheizung schön bullert und in der Folge die relative Luftfeuchtigkeit nur 30% oder weniger beträgt, werden wir krank. Schon bei mehr als sieben Stunden in einem Büroraum treten erste Beschwerden auf. Trockene Nase, Schluckbeschwerden, eventuell Nasenbluten und trockenen Augen gehen einher mit einer signifikant erhöhten Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten. Und noch eins wurde festgestellt: Trotz normal-mukkeliger Raumtemperatur finden es bewegungsarme Sitzarbeiter “gefühlt” zu kalt, drehen die Heizung weiter auf und senken damit die relative Luftfeuchtigkeit noch weiter herab. Ungesund und teuer. Eine geregelte Luftbefeuchtung könnte Wunder wirken.
Auch im Sommer lauern uns Büromenschen luftfeuchtigkeitsbedingte Gefahren: Es wurde festgestellt, dass wir trotz gleichbleibender Temperatur von 23° bis 24° Grad Celsius bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit (70%) glauben, es habe wiederum “gefühlt” satte 29° Grad. Forscher konstatierten, dass ein “unangenehmes Gefühl der Gleichgültigkeit” sich unserer bemächtigt, was wiederum zu einer “erheblichen Herabsetzung der Leistungsfähigkeit, Reduktion der Arbeitsleistung sowie zu Fehlleistungen, ja sogar zur Zunahme von Unfällen führt”. Das ähnelt verblüffend der Beschreibung kapitalen Bekifftseins und das kann nun wirklich keiner wollen! Wo bitte bekomme ich einen büroraumtauglichen Luftentfeuchter? Sommer droht…
1 Antwort bis jetzt ↓
1 Köpfchen // Nov 23, 2011 at 12:24
Klug gesprochen. mehr davon!
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